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Internationale Atomenergie-Organisation
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Die International Atomic Energy Agency (IAEA) âInternationale Atomenergie-Organisation (IAEO)â ist eine autonome wissenschaftlich-technisch-politische Organisation, die innerhalb des Systems der Vereinten Nationen einen besonderen Status innehat.
Contents
⢠Mission
⢠Organisation
⢠Finanzen
⢠Mitarbeiter
⢠Mitglieder
⢠Chronologie
⢠Arbeitsgebiete
⢠Kritik
⢠Tschernobyl
⢠Fukushima
⢠Literatur
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
⢠Anmerkungen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Mission
Die IAEO soll laut Satzung âden Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit beschleunigen und vergrĂśĂernâ;cite-ref-1[1] sie soll also die Anwendung der friedlichen Nutzung der Kernenergie und die internationale Zusammenarbeit hierbei fĂśrdern sowie die militärische Nutzung der Kerntechnik (d. h. die Proliferation von Kernwaffen) durch ĂberwachungsmaĂnahmen (âSafeguardsâ) im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags (NVV) von 1968 verhindern. FĂźr ihren Einsatz fĂźr diese Ziele wurde sie 2005 âfĂźr ihre BemĂźhungen, die Nutzung der Kernenergie fĂźr militärische Zwecke zu verhindern und dafĂźr zu sorgen, dass die Kernenergie fĂźr friedliche Zwecke auf mĂśglichst sichere Weise genutzt wirdâ jeweils zur Hälfte mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.cite-ref-2[2]
Organisation
Die IAEO, umgangssprachlich auch bekannt als Internationale AtomenergiebehĂśrde, ist keine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, sondern mit diesen vielmehr durch ein separates Abkommen verbunden. Sie berichtet regelmäĂig der Generalversammlung der Vereinten Nationen und darĂźber hinaus dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.cite-ref-0-3-0[3]
Die IAEO setzt sich aus der Generalkonferenz, dem Gouverneursrat (Board of Governors) und dem Sekretariat zusammen. Generaldirektor war bis zu seinem plÜtzlichen Tod im Juli 2019 der Japaner Yukiya Amano, dessen Amtsgeschäfte seit dem 25. Juli 2019 kommissarisch durch den Rumänen Cornel Feruta ßbernommen wurden. Am 3. Dezember 2019 ßbernahm der Argentinier Rafael Grossi das Amt des Generaldirektors.
Die sechs Hauptabteilungen, jeweils unter einem Vizedirektor, sind den Ressorts Technische Zusammenarbeit, Kernenergie, Nukleare Sicherheit, Verwaltung, Nuklearwissenschaften und Anwendungen sowie KernmaterialĂźberwachung zugeordnet.
Das kerntechnische Untersuchungslabor der IAEO befindet sich im etwa 30 km von Wien entfernten Forschungszentrum Seibersdorf auf dem Gelände des Austrian Institute of Technology. AuĂerdem betreibt und fĂśrdert die IAEO die Kernforschungszentren in Monaco und Triest (Italien).
Berichte zu den Aktivitäten der IAEO werden regelmäĂig und zusätzlich bei Bedarf dem Sicherheitsrat und der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt.
Generaldirektoren
⢠1957 bis 1961 William Sterling Cole, USA
⢠1961 bis 1981 Sigvard Eklund, Schweden
⢠1981 bis 1997 Hans Blix, Schweden
⢠1997 bis November 2009 Mohammed el-Baradei, Ăgypten
⢠1. Dezember 2009 bis 22. Juli 2019 Yukiya Amano, Japan
⢠25. Juli 2019 bis Dezember 2019 Cornel Feruta, Rumänien (kommissarisch)
⢠seit dem 3. Dezember 2019 Rafael Grossi, Argentinien
Finanzen
Die Programme und Gelder werden von dem 35-kÜpfigen Gouverneursrat und der Generalversammlung aller Mitgliedsstaaten festgelegt. Der Etat beinhaltet ein reguläres Budget sowie zusätzlich freiwillige Beiträge. Das reguläre Budget fßr 2009 belief sich auf rund 293,7 Millionen US-Dollar. An zusätzlichen Beiträgen werden rund 85 Millionen US-Dollar angestrebt. Die Ausgaben der IAEO werden jährlich extern geprßft (engl. external auditor), dieser wird von der Generalkonferenz gewählt.
Mitarbeiter
In dem Jahr 2025 verfßgte die Organisation ßber etwa 2.500 Mitarbeiter (davon etwa 350 Inspektoren) aus ßber 100 Ländern.cite-ref-6[6]
Mitglieder
Mit Stand November 2024 zählt die IAEO 180 Mitglieder.
GrĂźndung und Sitz
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde klar, dass Kernenergie (und noch wichtiger, die Verbreitung von Kernwaffen) reguliert werden mĂźsse. Die ersten politischen Gespräche und Verhandlungen dazu fanden im Rahmen der United Nations Atomic Energy Commission (UNAEC) statt, die von 1946 bis 1952 aktiv war. Die neue Atommacht USA schlug damals einen Plan zur Regulierung der Kernenergie vor, der auch als Baruch-Plan bekannt ist (siehe Dean Acheson und David Lilienthal). Die Verhandlungen scheiterten jedoch, da mit der zweiten Atommacht, der Sowjetunion, keine Ăbereinstimmung erzielt werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt begann auch der Kalte Krieg.
Die GrĂźndung der IAEO wurde auch dadurch ermĂśglicht, dass die USA den Atomic Energy Act of 1946 durch den Atomic Energy Act of 1954 anpassten. Dadurch wurde die Nutzung von Kernenergie fĂźr friedliche und kommerzielle Zwecke ermĂśglicht, da zuvor alle kerntechnischen Anlagen und Erfindungen Eigentum der US-Regierung waren. Bei der ersten Genfer Atomkonferenz von 1955 im Rahmen des Programms Atoms for Peace wurde deutlich, dass alle Nationen ihr Wissen fĂźr die friedliche Nutzung teilen und dafĂźr eine Organisation (die IAEO) gegrĂźndet werden mĂźsse.
Die Anregung zur Grßndung gab US-Präsident Dwight D. Eisenhower in einer Rede 1953:
âI therefore make the following proposals. The governments principally involved, to the extent permitted by elementary prudence, should begin now and continue to make joint contributions from their stockpiles of normal uranium and fissionable materials to an international atomic energy agency. We would expect that such an agency would be set up under the aegis of the United Nations.â
â
Dwight D. Eisenhower
SchlieĂlich wurde die IAEO am 29. Juli 1957 unter dem Dach der Vereinten Nationen in New York gegrĂźndet.
Chronologie
⢠Vorgeschichte: 1948 verabschiedet die UN-Generalversammlung einen (unverbindlichen) Beschluss, der vorsieht, eine internationale KĂśrperschaft zu grĂźnden, welche â aus GrĂźnden der einzig friedlichen Verwendung â alle Atomreaktoren und Uranminen weltweit besäĂe und betriebe. Im Gegenzug dazu solle der Atombomben-Bau eingestellt werden und die bestehenden Bestände davon vernichtet werden.cite-ref-9[8] In seiner Rede Atoms for Peace von 1953 regt dann US-Präsident Eisenhower die GrĂźndung einer etwas weniger weitgehenden Form dieser âInternational Atomic Energy Agencyâ an, welche sich ebenfalls fĂźr die ausschlieĂlich friedliche Verwendung der Atomenergie einsetzen solle.
⢠Grßndung der Organisation am 29. Juli 1957. Erster Generaldirektor wird der US-Politiker William Sterling Cole.
⢠1961 wird der Schwede Sigvard Eklund zum Generaldirektor gewählt. Er äuĂert 1962 die Vermutung, bis 1980 wĂźrde die Hälfte des jährlichen Zuwachses der Stromerzeugung durch Kernkraftwerke produziert.
⢠Am 30. März 1962 unterstellen die USA vier Kernkraftwerke unter die Kontrolle der IAEO.
⢠Auf der Generalkonferenz vom 18. bis 26. September 1962 wird Saudi-Arabien in die IAEO aufgenommen und das Budget fßr 1963 mit 7,4 Millionen US-Dollar bekanntgegeben.
⢠1962 wird im Rahmen eines australisch-japanischen Abkommens ßber die friedliche Nutzung der Kernenergie das Sicherheitssystem der IAEO unterstellt.
⢠Ab März 1970 Ăźbernimmt die IAEO auch die Ăberwachung des Atomwaffensperrvertrages.
⢠1981: Hans Blix, 1978/79 AuĂenminister Schwedens, wird neuer Generaldirektor. Er bleibt bis 1997 im Amt.
⢠Seit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl beschäftigt sich die IAEO stärker als zuvor mit der Sicherheit von Kernkraftwerken.
⢠2003 erregt die IAEO durch ihre Mission im Irak vor Beginn des Irakkrieges (20. März bis 1. Mai 2003) Aufsehen.
⢠Im Dezember 2004 wird bekannt, dass Mohammed el-Baradei, von 1997 bis November 2009 Generaldirektor der IAEO, von den USA systematisch abgehĂśrt wurde. El-Baradei zeigt sich empĂśrt. Er wusste zwar bislang, dass die Regierung der USA gegen ihn arbeitete, jedoch nicht, dass sie einen Eklat riskieren und ihn abhĂśren wĂźrde. El-Baradei äuĂerte die Vermutung, die US-Regierung wolle per Lauschangriff an belastendes Material gelangen, um ihn zu erpressen oder aus dem Amt zu drängen.cite-ref-10[9]
⢠2005 erhalten el-Baradei und die IAEO den Friedensnobelpreis.
⢠Die IAEO hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima ab März 2011 zeitnah dokumentiert und im Internet verÜffentlicht. Die IAEO hat das RANET (Response and Assistance Network) aufgebaut; jeder Vertragsstaat kann im Falle eines nuklearen oder radiologischen Ereignisses oder Notfalls die IAEO und andere Mitgliedsstaaten um Hilfe bitten. Sie ist auch in Nordkorea und im Iran tätig. Siehe auch: Nordkoreanisches Kernwaffenprogramm und Iranisches Atomprogramm
⢠Nach BefĂźrchtungen, dass die Kämpfe um das Kernkraftwerk Saporischschja während des Russisch-Ukrainischen Krieges die Sicherheit des Kraftwerks bedrohen kĂśnnten, entsandte die IAEO nach Absprache mit den Kriegsparteien politisch neutrale Inspektoren fĂźr die Begutachtung des Kraftwerkes.cite-ref-11[10] Die Organisation kritisierte daraufhin zahlreiche VerstĂśĂe, die die Reaktorsicherheit gefährdet hätten. Zwei Mitarbeiter der IAEO wurden dauerhaft zur Beobachtung des Kraftwerkes entsandt.cite-ref-12[11]
⢠Da sich durch die Kursk-Offensive die Frontlinie näher an das Kernkraftwerk Kursk verlagerte, inspizierte die IAEA Ende August 2024 die dortigen Anlagen. Das Inspektionsteam warnte daraufhin, dass der Reaktortyp RBMK bei einem Beschuss besonders anfällig sei und mahnte, Kampfhandlungen dort zu verhindern.cite-ref-13[12]
Arbeitsgebiete
FĂśrderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie
Die vornehmliche Aufgabe der IAEO besteht in der FĂśrderung und UnterstĂźtzung der friedlichen Nutzung der Kernenergie.
Atomwaffensperrvertrag â SicherheitsĂźberwachungen
â
Hauptartikel
:
Atomwaffensperrvertrag
Die IAEO ist seit 1970 fĂźr die Ăberwachung des Atomwaffensperrvertrags (NVV bzw. NPT) zuständig. Dieser soll die Verbreitung von Kernwaffen verhindern. Der NVV wurde von allen fĂźnf Atommächten unterzeichnet. Alle weiteren Unterzeichner sind sogenannte Nichtkernwaffenstaaten, welche sich per NVV-Vertrag verpflichten, die Entwicklung und Produktion von Atomwaffen zu unterlassen. Die IAEO schlieĂt dazu einen Vertrag, um sogenannte Safeguards auf die Nichtkernwaffenstaaten anzuwenden. Im Unterschied zum Baruch-Plan zur Kontrolle von Kernwaffen, der 1946 gescheitert ist, erlaubt der NVV-Vertrag die Herstellung von Kernmaterial (auch Kernreaktoren usw.) durch Nichtkernwaffenstaaten, jedoch nicht deren Abzweigung zu militärischen Zwecken. Der IAEO kommt damit die folgende Aufgabe zu, welche in dem SchlĂźsseldokument The Structure and Content of Agreements between the Agency and States Required in Connection with the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weaponscite-ref-14[13] dokumentiert ist:
âThe Agreement should provide that the objective of safeguards is the timely detection of diversion of significant quantities of nuclear material from peaceful nuclear activities to the manufacture of nuclear weapons or of other nuclear explosive devices or for purposes unknown, and deterrence of such diversion by the risk of early detection.â
âDas Abkommen sollte vorsehen, dass das Ziel der SicherheitsĂźberwachung darin besteht, die Abzweigung erheblicher Mengen von Kernmaterial von friedlichen nuklearen Tätigkeiten zur Herstellung von Kernwaffen oder anderen KernsprengkĂśrpern oder fĂźr unbekannte Zwecke rechtzeitig zu entdecken und durch das Risiko einer frĂźhzeitigen Entdeckung von einer solchen Abzweigung abzuschrecken.â
â
IAEA
:
INFCIRC/153 (1972)
Das bedeutet, dass die IAEO Spaltmaterial oder Atomanlagen nicht kontrolliert (sie ist nicht deren Besitzer), sondern âKontrolleâ im Sinne von Inspektionen und ĂberprĂźfungen ausĂźbt.cite-ref-15[14] Besteht der Verdacht, dass Kernmaterial auch fĂźr âunbekannte Zweckeâ entwendet wurde, wird ein Verdachtsmoment festgestellt und es werden weitere Schritte eingeleitet.
Neben der Entsendung von Inspektoren, die weltweit etwa 2500 ĂberprĂźfungen vor Ort anstellen, bedient sich die IAEO mittlerweile auch der SatellitenĂźberwachung und ähnlicher Mittel, um die Einhaltung des NVV zu kontrollieren. Genauer ist die IAEO heutzutage nicht auf den Zugang zu gemeldeten Informationen Ăźber Kernmaterial beschränkt, oder auf Orte, an denen solches Material gemeldet wurde.cite-ref-16[15]
Nukleare Krisen
⢠1991 rĂźckte die IAEA nach dem zweiten Golfkrieg ins internationale Interesse, als sie im Irak erstmals auĂerhalb vertraglicher Verpflichtungen Untersuchungen anstellen durfte und ein geheimes Atomwaffenprogramm enthĂźllte.
⢠Seit Anfang der 1990er fßhrt die IAEO punktuelle Inspektionen in Nordkorea (DPRK) in Bezug auf dessen Atomprogramm durch. In dem Jahr 1977 unterzeichnet DPRK das erste Safeguards-Agreement, suspendierte 1993 jedoch den NVV-Vertrag und kßndigte 1994 seine Mitgliedschaft bei der IAEO.cite-ref-17[16]
⢠Seit dem Bekanntwerden von zuvor unbekannten Atomanlagen im Jahr 2002 befindet sich das iranische Atomprogramm in einer Krise.
Verbesserung der nuklearen Sicherheit
Um die Reaktorsicherheit zu fĂśrdern, unterstĂźtzt die IAEO unter anderem die Umsetzung des Ăbereinkommens Ăźber nukleare Sicherheit.cite-ref-18[17] Zu diesem Zweck unterstĂźtzt sie die Betreiber von kerntechnischen Anlagen auch bei der Einstufung von StĂśr- und Unfällen gemäà der Internationalen Bewertungsskala fĂźr nukleare Ereignisse (INES):
⢠Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen (INES-Stufe 4 bis 7)
⢠Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen (INES-Stufe 1 bis 3)
⢠Liste von StÜrfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen (INES-Stufe 2 bis 3)
IRS (International Reporting System for Operating Experience)
Die IAEO stellt eine internationale, nicht Ăśffentliche Datenbank fĂźr StĂśrungen in Anlagen der Atomwirtschaft wie Kernkraftwerken zur VerfĂźgung, die IRS âInternational Reporting System for Operating Experienceâcite-ref-19[18] auch âIAEA/NEA Incident Reporting Systemâ genannt. Sie wird von der Nuclear Energy Agency (NEA) betrieben und gemanagt,cite-ref-20[19] die noch weitere Nuklear-Datenbanken betreibt. Die IRS ist die einzige internationale Datenbank in der Berichte Ăźber StĂśrungen, Erfahrungen und gezogene Lehren âLessons Learnedâ gesammelt und ausgetauscht werden. Die Koordinatoren der IRS halten jährliche Meetings ab.cite-ref-21[20] Die Daten des IRS sind teilweise in den Reports der schwedischen StrahlenschutzbehĂśrde StrĂĽlsäkerhetsmyndigheten (vor 2008 SKI) verfĂźgbar.
ARIS (Advanced Reactors Information System)
Die IAEO betreibt eine Ăźber das Internet zugängliche Datenbank mit aktuellen Informationen zu allen verfĂźgbaren Kernkraftwerkskonzepten und wichtigen Entwicklungstrends. Das Advanced Reactors Information System (ARIS) bietet ausgewogene, umfassende und aktuelle Informationen Ăźber fortgeschrittene KernkraftwerksentwĂźrfe und -konzepte. ARIS umfasst Reaktoren aller GrĂśĂen und Typen, von evolutionären KernkraftwerksentwĂźrfen fĂźr den kurzfristigen Einsatz bis hin zu innovativen Reaktorkonzepten, die sich noch in der Entwicklung befinden.cite-ref-22[21]
ARIS kann zusammen mit dem IAEO-Dokument Nuclear Reactor Technology Assessment for Near Term Deployment (NE Series NP-T-1.10) verwendet werden, um den Mitgliedstaaten eine fundierte Reaktorbewertung zu ermĂśglichen.cite-ref-23[22]
Weitere Arbeitsgebiete
AuĂerdem engagiert sich die Organisation in der Anwendung und Entwicklung von friedlichen MĂśglichkeiten der Nukleartechnologie, z. B. in der Medizin, Landwirtschaft, Produktionsprozessen und natĂźrlich der Stromerzeugung. Das IAEO-Forschungszentrum auf dem Gelände des Austrian Institute of Technology in Seibersdorf (NiederĂśsterreich) beherbergt mehrere Abteilungen, die sich mit den verschiedenen AnwendungsmĂśglichkeiten der Kernenergie befassen; im landwirtschaftlich-biotechnologischen Bereich gibt es eigene Abteilungen fĂźr PflanzenzĂźchtung (Plant Breeding), Erdreich (Soil Science), Agrochemie, Insektenkunde (Entomologie, in deren Rahmen u. a. das unten genannte SIT-Programm erforscht wird), sowie veterinärmedizinische Anwendungen. Andere Abteilungen befassen sich mit Kernphysik, Dosimetrie, Chemie, instrumentaler Technik, u. ä. Die âSafeguards-Laboratorienâ sind ebenfalls in Seibersdorf angesiedelt. Die Laboratorien beschäftigen mehr als 130 Wissenschaftler, Techniker, und weiteres Personal.cite-ref-24[23]
Zusammen mit der FAO betreibt die IAEO unter anderem ein Forschungsprogramm, das sich mit der Sterile Insect Technology (SIT) beschäftigt. Dabei werden männliche Insekten radioaktiv bestrahlt und auf diese Weise sterilisiert. Danach werden sie in freier Wildbahn ausgesetzt und kÜnnen ihren sterilen Samen an Weibchen weitergeben. Die weiblichen Insekten vermeiden daraufhin Kontakt mit Männchen oder sie legen Eier, aus denen sich keine oder nur minderwertige Larven entwickeln. Langfristig sollen so Krankheiten wie Malaria oder die Schlafkrankheit ausgerottet werden.
Die IAEA betreibt Krebsheilungscenter in verschiedenen Ländern, z. B. in Nigeria (350.000 neue Fälle pro Jahr, Papilloma-Virus).cite-ref-25[24]
Publikationsarbeit
Die Kernenergieabteilung der IAEO verÜffentlicht wÜchentlich den IAEA Nuclear Energy E-Newsletter. Er kann kostenlos abonniert werden und informiert ßber wichtige Aktivitäten und bevorstehende Veranstaltungen der Abteilung sowie ßber neu verÜffentlichte Berichte, Publikationen und andere Ressourcen.cite-ref-26[25]
Des Weiteren ist die IAEO Herausgeber zahlreicher Fachpublikationen zu dem Thema Kernenergie. Seit 1970 stellt die IAEA auch das International Nuclear Information System (INIS) bereit, das weltweit fßhrende Informationssystem mit Dokumentennachweisen und Dokumenten zur friedlichen Nutzung und Anwendung der Kernphysik und Kerntechnik.cite-ref-inis-home-27-0[26] Letztere Fachgebiete werden durch zahlreiche Datenbanken und Datensätze im Rahmen des Nuclear Data Services (NDS) der Nuclear Data Section unterstßtzt.
Auszeichnungen und Preise
Die IAEO wurde fĂźr ihre Arbeit mit einer Reihe von internationalen Friedenspreisen ausgezeichnet.
⢠2003: Peace Pole, Friedenspreis der Goi Peace Foundation, Japan
⢠2003: Science & Peace Gold Medal der Albert Schweitzer International University, Spanien
⢠2004: Berliner-Friedensuhr-Preis des Berliner Komitees fßr UNESCO-Arbeit
⢠2005: Friedensnobelpreis
Kritik
Tschernobyl
Die IAEO hat vor der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl auch diesen RBMK-Reaktortyp erwähnt. In einer auf ihrer Website abrufbaren Publikation (IAEO Bulletin, Vol. 22, No. 2) spricht sie vom âĂśkonomisch vollumfänglich gerechtfertigten Bauâ dieses Reaktortyps und davon, dass mit recht geringem Aufwand (durch ErhĂśhung der Leistungsdichte im Kern) eine Leistungssteigerung von 1000 MW el. auf 1500 MW el. erzielbar sei.cite-ref-28[27]
Am 1. Juli 2009 kritisierte die IPPNW, eine internationale atomkritische Ărzteorganisation, das seit 50 Jahren bestehende Abkommen der IAEO mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In diesem Abkommen Ăźbernimmt die IAEO die Hauptverantwortung fĂźr alle atomaren Forschungsprojekte.cite-ref-29[28] Dadurch behindere sie die WHO bei der Berichterstattung Ăźber Gesundheitsrisiken von Strahlung. Gesundheitsfolgen von Tschernobyl, Thema bei zwei grĂśĂeren UN-Konferenzen, 1995 in Genf und 2001 in Kiew, seien der Ăffentlichkeit nicht zugänglich gemacht worden.cite-ref-30[29]
Fukushima
Nach der Reaktorkatastrophe in Japan 2011 forderte die IPPNW am 22. März 2011 die Kßndigung des Abkommens zwischen WHO und IAEO. Die WHO solle die BevÜlkerung, insbesondere die japanische, ungeschÜnt und objektiv ßber die gesundheitlichen Risiken informieren und sich fßr die Evakuierung von Frauen, Kindern und schwangeren Frauen aus den betroffenen Gebieten einsetzen.cite-ref-31[30]
Die in Fukushima durchgefĂźhrten Strahlungsmessungen der IAEO stieĂen aufgrund ihrer undurchsichtigen Darstellung auf Kritik.cite-ref-32[31]
Während der Konferenz der IAEO in Wien im Juni 2011 wurde keinerlei grundsätzliche Kritik an der Nutzung der Kernenergie geäuĂert. Im Gegenteil sprachen sich die Delegierten fĂźr eine FortfĂźhrung des Status quo oder einen Neubau von Kernkraftwerken aus. Der Atomausstieg in Deutschland stieĂ auf Unverständnis, verbunden mit der BefĂźrchtung, dieser kĂśnne zu einem Stopp der Kernenergie in weiteren Staaten fĂźhren.cite-ref-33[32] Yukiya Amano, Generaldirektor der IAEO, propagierte im Juni 2011 bei einem Besuch in Japan eine Zunahme der weltweiten Atomstromproduktion.cite-ref-34[33]
Kritik am Friedensnobelpreis
Die Vergabe des Friedensnobelpreises im Jahre 2005 an die IAEO wurde durch die internationale atomkritische Ărzteorganisation IPPNW sowie durch Greenpeace und den BUND mit dem Argument kritisiert, die Ziele der IAEO, Ausbau und Weiterverbreitung der Kernenergie, seien nicht mit dem Friedensnobelpreis vereinbar.cite-ref-35[34]
Literatur
⢠David Fischer: History of the International Atomic Energy Agency: The First Forty Years. IAEA, Vienna, Austria 1997, ISBN 92-0-102397-9 (englisch, iaea.org [PDF]).
⢠IAEA: Atoms for Peace: A Pictorial History of the International Atomic Energy Agency. IAEA, Vienna, Austria 2007, ISBN 978-92-0-103807-4 (englisch, iaea.org).
Siehe auch
⢠Wikinews: Themenportal Iranisches Atomprogramm â Zur Wiederaufnahme des iranischen Anreicherungsprogrammes (2005)
Weblinks
Commons
: Internationale Atomenergie-Organisation
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Offizielle Website der IAEO. Abgerufen am 27. Juni 2025 (englisch).
Einzelnachweise
cite-note-11. â The Statute of the IAEA. IAEA, abgerufen am 7. Mai 2013.
cite-note-22. â International Atomic Energy Agency â Facts. Nobelprize, abgerufen am 18. Juli 2025 (amerikanisches Englisch).
cite-note-0-33. â Das System der Vereinten Nationen. Deutsche Gesellschaft fĂźr die Vereinten Nationen, 2008 (PDF (Memento vom 9. Dezember 2008 im Internet Archive))
cite-note-41. IAEA: List of Member States
cite-note-55. â Expenditure by Agency. United Nations System Chief Executives Board for Coordination, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 8. November 2018; abgerufen am 20. Juni 2025 (englisch).
cite-note-66. â Employment. IAEA, 30. September 2016, abgerufen am 18. Juli 2025 (englisch).
cite-note-72. Aus der Rede âAtoms for Peaceâ, im Text The Agency loses its initiator (Memento vom 17. August 2011 im Internet Archive) anlässlich des Todes von Präsident Eisenhower (PDF, englisch; 165 kB)
cite-note-98. â Neue ZĂźrcher Zeitung vom 15. November 1948.
cite-note-109. â spiegel.de vom 13. Dezember 2004: Baradei empĂśrt Ăźber US-Lauschangriff
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Anmerkungen
cite-note-8Anm. 1. â Bis zum Bezug des VIC, 1979, wurde als Amtssitz das Grand Hotel Wien (Kärntner Ring 9, Wien-Innere Stadt) genutzt. Im Sommer 1959 war (erneut wie erfolglos) das am Rande des Wienerwaldes in DĂśbling gelegene (und später, 1966, vom EigentĂźmer Stadt Wien abgebrochene) Schloss Cobenzl als Adresse ins Gespräch gekommen. â Siehe: Neues vom Tag. Atomkontrolle im SchloĂ Cobenzl? In: Arbeiter-Zeitung. Wien,â 15. August 1959, S. 4, oben links.
48.23472222222216.416944444444coordinatesKoordinaten: 48° 14Ⲡ5ⳠN, 16° 25Ⲡ1ⳠO